Robotik im Mittelstand: Bremer Landesinitiative gestartet

i2b meet-up Robotik-WeiterbildungKleine und mittlere Unternehmen aus allen Branchen, die sich für den Einsatz von Robotiklösungen interessieren, können sich jetzt im Rahmen der „Weiterbildungsinitiative Robotik“ über die vielfältigen Potenziale dieser Technologie informieren. Der öffentliche Startschuss der Initiative fiel am 26. November 2013 beim i2b meet-up im Gewerbepark Hansalinie Bremen – zu Gast bei der Firma Schulz Systemtechnik.

Ziel der Initiative ist es, die vorhandenen Kompetenzen des Landes Bremen im Bereich Robotik zu bündeln und ein umfassendes Qualifizierungsangebot für kleine und mittelständische Unternehmen aufzubauen.

Ausrichtung auf Bedürfnisse der Betriebe

Die einzelnen Projekte adressieren unterschiedliche Anwendungsfelder wie Assistenzrobotik, Industrierobotik, Servicerobotik und Robotik in der Logistik. Im Rahmen der Maßnahmen haben Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, inhaltliche Ausrichtungen auf die Bedürfnisse ihrer eigenen Betriebe abzustimmen.

Das Spektrum der adressierten Branchen ist ebenfalls sehr breit – unter anderem werden die Gesundheitswirtschaft, die Windenergie, die Landwirtschaft, die Lebensmittelindustrie und die maritime Industrie angesprochen. Verschiedene Weiterbildungsangebote richten sich an alle Ebenen in den Unternehmen; Vorkenntnisse in der Robotik sind meistens nicht erforderlich.

„Wir setzen darauf, dass neue Arbeitsplätze entstehen“

„Beim Thema Robotik denkt man erst einmal daran, dass Arbeitsplätze entfallen können“, erklärte Prof. Matthias Stauch, Staatsrat beim Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen, in seinem Grußwort beim i2b meet-up. In Bremen biete Robotik jedoch vor allem eine Perspektive für den Strukturwandel durch neue Technik. „Wir setzen darauf, dass neue Arbeitsplätze entstehen“, so Stauch.

Darüber hinaus bestehe die Gefahr, dass Arbeitsplätze durch die Konkurrenz aus Leichtlohnländern verloren gehen, wenn deutsche Unternehmen nicht ihren technologischen Vorsprung nutzen. Robotik sei zurzeit allerdings noch „ein ganz zartes Pflänzchen, das auch in kleine und mittlere Unternehmen vordringen wird“. Dieser Prozess solle mit Hilfe der Weiterbildungsinitiative unterstützt werden.

Bessere Interaktion zwischen Mensch und Maschine

Dass Mensch und Roboter nicht in Konkurrenz zueinander stehen, betonte auch Matthias Schaller, Leiter Robotik beim Bremer Werk für Montagesysteme. Das Unternehmen mit Sitz in Lilienthal installiert jährlich rund 50 Roboter bei Kunden.

„Ein Roboter muss eine begrenzte Zahl von Tätigkeiten millionenfach ausführen können, ein Mensch muss Millionen Tätigkeiten in begrenzter Zahl durchführen können“, hob er den Unterschied hervor. In der näheren Zukunft sieht Schaller deutliche Verbesserungen bei der Interaktion zwischen Menschen und Robotern.

Roboter für die Palettierung von Eiern als Exportschlager

Der Gastgeber des i2b meet-up, die Schulz Systemtechnik GmbH, hat in den vergangenen sechs Jahren bereits rund 100 neue Arbeitsplätze in der Region Bremen geschaffen. Das Unternehmen, das sich im Rahmen der Weiterbildungsinitiative mit dem Thema Industrierobotik engagiert, bietet komplette Automatisierungslösungen für verschiedene Branchen an.

Europaweite Nachfrage besteht laut Geschäftsführer Ralf Soltwedel beispielsweise nach einem Robotiksystem für die Palettierung von Eiern, das Schulz Systemtechnik auf Basis langjähriger Erfahrungen in der Landwirtschaft entwickelt hat. Kürzlich wurde ein neues Schulungszentrum eingerichtet – mit neuesten Geräten aus der Robotik, Sensorik und Vision-Technik. Die Anlagen werden auch für die Schulung von Studierenden der Hochschule Bremen zur Verfügung gestellt.

Praktische Einblicke in die Robotik

Beim i2b meet-up stellten anschließend die weiteren Partner der Weiterbildungsinitiative ihre Projekte vor. So berichtete Andreas Nowacki, Geschäftsführer der Beruflichen Bildung Bremerhaven, vom neuen Robotiklabor an der Beruflichen Schule für Technik. Dort erhalten Auszubildende und Studierende – zukünftig auch Mitarbeiter von Unternehmen – praktische Einblicke in die Robotik. „Diese Möglichkeit, interdisziplinäres Lernen anzubieten, gab es in dieser Form noch nicht in Bremerhaven“, erklärte Nowacki.

Michael Thomas vom Bremer Centrum für Mechatronik präsentierte das Projekt „Assistenzrobotik – Betriebsbezogene Weiterbildung für den Robotikeinsatz in der Lebensmittelindustrie und der Gesundheitswirtschaft“. Dabei erläuterte er, wie Assistenzroboter die Beschäftigten in den beiden Branchen von gesundheitsschädigenden oder zeitraubenden Tätigkeiten entlasten können – und wie sie Patienten ein autonomeres Leben ermöglichen.

Von aktuellen Forschungsergebnissen können Unternehmen auch im Projekt Servicerobotik profitieren. Dr. Sirko Straube von der AG Robotik an der Universität Bremen stellte das Workshop-Konzept vor, bei dem neue Anwendungen in den Bereichen Landwirtschaft, maritime Industrie und Rehabilitation ausgelotet werden sollen. „Wir wollen feststellen, was die Ziele und Aufgabenstellungen der Unternehmen sind für den Einsatz von Robotern“, so Straube.

„Die Bedienung sollte kinderleicht sein“

Moritz Rohde vom BIBA (Bremer Institut für Produktion und Logistik GmbH) stellte das Projekt „Robotik in der Logistik“ vor, das sich an Mitglieder des Managements, an Fachkräfte, aber auch an ungelernte Arbeitskräfte in Logistikbetrieben richtet. Das BIBA beschäftigt sich bereits seit einigen Jahren mit dem Thema und hat dabei unter anderem festgestellt: „Die Bedienung sollte kinderleicht sein.“

Zurzeit werde der Roboter noch häufig als Konkurrent um den Arbeitsplatz gesehen, so Rohde, besonders von geringer qualifizierten Beschäftigten. Diesem Eindruck widersprach er jedoch: „Aus der Logistik ist der Mensch nicht wegzudenken. Es gibt aber erheblichen Bedarf, mit der Technik zusammenzuarbeiten.“

Die Weiterbildungsinitiative wird im Rahmen des Beschäftigungspolitischen Aktionsprogramms für Bremen und Bremerhaven gefördert. Unterstützung für die Maßnahmen kommt vom Europäischen Sozial-Fonds (ESF) und vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).

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