Robotik in der Logistik: Wie können Unternehmen profitieren?

Frank Molzow-Voit (ITB), Frank Dederichs (IQ Technikum) und Moritz Quandt (BIBA) stellten das neue Weiterbildungsangebot zur Robotik in der Logistik vor.

Frank Molzow-Voit (ITB), Frank Dederichs (IQ Technikum) und Moritz Quandt (BIBA) stellten das neue Weiterbildungsangebot zur Robotik in der Logistik vor.

Robotiklösungen verfügen über großes Potenzial zur Optimierung logistischer Prozesse. Unternehmen, die sich für den Einsatz entsprechender Technologien interessieren, erhalten Unterstützung im Rahmen des Qualifizierungsprogramm „Robotik in der Logistik“ (RobidLOG), das vom Bremer Institut für Produktion und Logistik GmbH (BIBA) gemeinsam mit dem Institut Technik und Bildung (ITB) sowie der IQ Technikum GmbH angeboten wird. Bei einer Informationsveranstaltung am 14. Juni 2014 stellten die Projektpartner das Angebot der Öffentlichkeit vor.

Von „high-tech“ bis „low-cost“

Das BIBA verfügt über umfassende Erfahrung im Bereich der Robotikforschung für die Logistik. Klaus-Dieter Thoben, Leiter des Forschungsbereichs Informations- und kommunikationstechnische Anwendungen in der Produktion (IKAP) am BIBA, hob dabei die große Praxisnähe der Arbeiten hervor. „Hier findet keine Entwicklung im Elfenbeinturm statt, sondern wir machen Projekte immer mit Unternehmen zusammen“, betonte er. Es gehe darum, „bedarfsorientierte Lösungen von high-tech bis low-cost“ zu entwickeln.

Als Beispiel nannte Thoben das Projekt Celluveyor. Dabei handelt es sich um ein neuartiges Fördersystem, mit dem Objekte in alle Richtungen und Orientierungen gleichzeitig und unabhängig voneinander bewegt werden können. Das vom BIBA patentierte System besteht aus Modulen, die zu beliebigen Konfigurationen zusammengesteckt werden können, um beliebig große und universell einsetzbare Förderflächen zu erstellen.

Weiterbildung für Fachkräfte und Entscheidungsträger

Mit dem Projekt „RobidLOG – Zielgruppenspezifische Weiterbildung für Fachkräfte und Entscheidungsträger/innen“ bietet das BIBA gemeinsam mit den Partnern nun eine Weiterbildung für Unternehmen an, die die Potenziale der Robotik für sich erschließen möchten. Aufgabenstellungen, die einen hohen Standardisierungsgrad aufweisen, können mittels Robotertechnologien automatisiert werden – und gerade im Logistikbereich zur Entlastung der Arbeitskräfte von gesundheitskritischen Tätigkeiten eingesetzt werden, beispielsweise dem Heben und Tragen schwerer Lasten.

Allerdings nehmen kleine und mittel¬ständische Unternehmen den Einsatz von Robotiklösungen bisher wenig in Anspruch. Der Einsatz von Robotik in der Logistik wird aufgrund ihrer Komplexität oft als zu unflexibel und kostenintensiv betrachtet. Im Rahmen des Projekts RobidLOG wird daher ein modulares Weiterbildungsangebot entwickelt, das es den TeilnehmerInnen ermöglicht, Lösungen für diese Hemmnisse zu finden und Robotik gewinnbringend einzusetzen.

Die Angebote richten sich an MitarbeiterInnen der Führungsebene, MitarbeiterInnen der technischen Leitung, ausgebildete FacharbeiterInnen sowie un- und angelernte MitarbeiterInnen.

„Die Menschen mit auf die Reise nehmen“

Das Projekt basiert auf umfassenden berufswissenschaftlichen Untersuchungen in Unternehmen aus Handelslogistik, Umschlagslogistik, Produktionslogistik, wie BIBA-Mitarbeiter Moritz Quandt bei der öffentlichen Präsentation erläuterte. Laut Frank Molzow-Voit vom ITB wurden dabei beispielsweise Interviews mit Entscheidungsträgern und Fachkräften geführt, um den Bedarf an Weiterbildungsinhalten zu ermitteln. Auf dem Lehrplan der Qualifizierungen stehen nun unter anderem Bedienprozesse, Störfälle, Reparatur, Fehlerursache, Wartung und Einführung von Robotiklösungen.

Es geht allerdings nicht allein um die Technik. „Wir müssen die Menschen mit auf die Reise nehmen“, betonte Frank Dederichs von der IQ Technikum GmbH. Die Akzeptanz der Lösungen in der Belegschaft sei für die erfolgreiche Nutzung der Robotik sehr wichtig. Prof. Wolfgang Echelmeyer von der Hochschule Reutlingen verwies im weiteren Verlauf der Veranstaltung darauf, dass der Druck zur Automatisierung in Belgien sogar teilweise von den Gewerkschaften komme – ihnen gehe es darum, ergonomische Lösungen für belastende Tätigkeiten zu finden.

BLG sieht viele Einsatzmöglichkeiten für Robotik

Arbeitssicherheit ist auch bei der BLG Handelslogistik GmbH & Co. KG ein wichtiges Argument für die Einführung von Robotiklösungen, wie Arno Ziegler, „Director Operations“ bei dem Unternehmen, erklärte. Gerade in Anbetracht der alternden Gesellschaft sei es wichtig, dass Menschen nicht mehr „acht Stunden Kisten schleppen“ müssen.

Am Anfang der Überlegungen stehe bei der BLG allerdings immer die Funktion: Man schaue sich die Prozesse an und überlege, was davon automatisiert werden kann, berichtete Ziegler. Nicht immer sei dies jedoch problemlos umsetzbar: So müsse sich das System beispielsweise nach Möglichkeit innerhalb der Vertragslaufzeit des jeweiligen Auftrags, für das es eingesetzt wird, rentieren, denn eine Anschlussverwendung sei meistens nicht sicher.

Darüber hinaus seien räumliche Einschränkungen zu berücksichtigen. Und nicht zuletzt müsse das System flexibel genug sein, um weiter seine Aufgabe zu erfüllen, wenn sich die Produkte des Kunden oder dessen Verpackungen ändern.

Ein Zwischenschritt könne die Semirobotik sein, so Ziegler: „Der Roboter macht das, was er gut kann, aber der Mensch ist eng dabei, um schwierigere Aufgaben zu erledigen.“ Bei weiteren technischen Verbesserungen sehe er viele Einsatzmöglichkeiten für Robotik in der Logistik.

Wer sich für Weiterbildungen in diesem Bereich interessiert oder sonstige Fragen zur Robotik in der Logistik hat, kann sich an folgende Ansprechpartner wenden:

BIBA – Bremer Institut für Produktion und Logistik GmbH

Moritz Quandt
Tel. 0421 218-50133
qua@biba.uni-bremen.de

Moritz Rohde
Tel. 0421 218-50138
roh@biba.uni-bremen.de

ITB – Institut Technik und Bildung Universität Bremen

Frank Molzow-Voit
Tel. 0421 218-66283
molzow-voit@uni-bremen.de