Mehr, aber andere Arbeitsplätze durch Roboter

Statistik - jährliche Auslieferung von IndustrieroboternFast 180.000 Roboter wurden im vergangenen Jahr nach Angaben der International Federation of Robotics (IFR) weltweit verkauft, 12 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Der Trend hält auch in diesem Jahr an: Die nordamerikanische Robotics Industries Association (RIA) meldete kürzlich auch für das erste Halbjahr 2014 einen weiteren Anstieg um 16 Prozent in den USA und Kanada. Entgegen den weit verbreiteten Befürchtungen führe dies jedoch nicht zum Verlust von Arbeitsplätzen, sondern zu zusätzlich geschaffenen Jobs, meint RIA-Präsident Jeff Burnstein. Häufig werde die Produktion wieder aus Asien nach Nordamerika zurückgeholt, weil die zunehmende Automatisierung dies rentabel mache, erklärte er.

Darüber hinaus wachse der Bedarf an Ingenieuren mit Know-how im Bereich Robotik so stark, dass er kaum gedeckt werden könne, berichtet Raul Ordonez von der University of Dayton. „Studenten mit diesen Qualifikationen sind sehr stark nachgefragt.“

Ergänzen, nicht zerstören

Die Veränderungen am Arbeitsmarkt durch den weiteren Durchbruch der Robotik waren auch Thema bei einem Treffen der US-Notenbank Federal Reserve im August. David Autor, ein Wirtschaftswissenschaftler mit dem Schwerpunkt Arbeitsmarkt am Massachusetts Institute of Technology (MIT), stellte dort ein Papier vor, das die Verdrängung von qualifizierten Arbeitsplätzen durch neue Technologien in Frage stellt.

Selbst wenn die technologische Entwicklung rasant verlaufe, würden Roboter die Arbeitsplätze in der Regel nicht vernichten, sondern die Beschäftigten bei der Arbeit unterstützen und die Produktivität erhöhen, so David Autor. Wahrscheinlich sei jedoch, dass sich die Tätigkeiten verändern und neue Qualifikationen benötigt werden.

Verlust des Alten leichter vorstellbar als Gewinn des Neuen

Der Wissenschaftler zieht historische Vergleiche zu anderen technologischen Entwicklungen. So habe die industrielle Revolution dazu geführt, dass der Anteil der Landwirtschaft am Arbeitsmarkt von 41 Prozent im Jahr 1900 auf 2 Prozent im Jahr 2000 gefallen sei. Wohin genau die Entwicklung dieses Mal führen wird, sei jedoch noch unklar. „Es ist oft schwierig zu erkennen, was kommen wird“, betont er. „Viel leichter lässt sich vorhersehen, was verschwinden wird.“

Es gebe in der Geschichte eine lange Reihe von führenden Köpfen, die das Potenzial neuer Technologien als Ersatz für menschliche Arbeit überschätzen, während sie das Potenzial zur Ergänzung bzw. Unterstützung des Menschen unterschätzen, so David Autor.

Der Grund, warum Roboter mit dem Menschen auf absehbare Zeit nicht übermäßig konkurrieren werden, liegt laut David Hummels von der Purdue University in den speziellen menschlichen Fähigkeiten. Im Laufe der Evolution hätten wir gelernt, viele visuelle und auditive Signale unserer Mitmenschen wahrzunehmen. Die Roboter würden daher möglicherweise nie so gut darin werden, auf andere Menschen zu reagieren. Darüber hinaus würde es sehr schwierig werden, die sensomotorischen Fähigkeiten des Menschen in Maschinen zu replizieren.

Aufruf zur verstärkten Ausbildung

Angesichts der guten Job-Aussichten im High-tech-Bereich ruft David Autor vom MIT die Politik auf, stärker in die Bildung und Ausbildung rund um Robotik und andere neue Technologien zu investieren. Bei der Europäischen Kommission sollte er damit auf offene Ohren stoßen: „Ohne die intensive Nutzung fortgeschrittener Robotiklösungen würden mehr als 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts einfach aus Europa verschwinden“, schreibt sie in ihrem Strategiepapier „Horizon 2020“.