Chancen auch für kleine und mittlere Industriebetriebe

Marco Schrader

Marco Schrader betreute das Projekt Industrie- und Leichtbaurobotik im Rahmen der Weiterbildungsinitiative Robotik.

Die Schulz Systemtechnik GmbH im Bremer Gewerbegebiet Hansalinie hat massiv in ein Schulungszentrum investiert, um Kunden das nötige Know-how für den Umgang mit Robotern vermitteln zu können. Marco Schrader erläutert, was die Schulungen beinhalten und welche Perspektiven sich gerade für den Mittelstand durch den Einsatz von Industrierobotik ergeben.

Welche Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt Schulz Systemtechnik in den Schulungen?

Das Programm ist modular aufgebaut, sodass Kompetenzen in einzelnen Technologien oder an bestimmten Schnittstellen erworben werden können. Im ersten Modul geht es beispielsweise um den Aufbau und die Funktion des Robotersystems, die Sicherheit, die Inbetriebnahme und die Erstellung von Programmen. Im zweiten Modul steigen wir dann etwas tiefer in die Programmierung ein.

Was unterscheidet Ihre Qualifizierungen von denen der Roboter-Hersteller?

Unser Schulungszentrum erlaubt eine ganzheitliche Qualifizierung in Robotik unter realen Anwendungsbedingungen. Der Fokus ist also nicht auf den Roboter selbst beschränkt, sondern umfasst zum Beispiel auch das Greifen, die Vision, die SPS-Programmierung und die Sicherheit. Damit bekommen die Schulungsteilnehmer alles Know-how, das sie benötigen, aus einer Quelle. Hinzu kommt die räumliche Nähe zu unseren Kunden. Uns ist in Norddeutschland noch kein vergleichbares Angebot bekannt. Mit unserem transportablen Roboter können wir die Schulungen auch direkt beim Kunden vor Ort durchführen.

An wen richten sich die Schulungen?

Wir wenden uns in erster Linie an Anlagenerrichter, Anlagenbediener und Servicetechniker. Vom Qualifikationsniveau her sind das Ingenieure, Techniker und gewerblich-technische Fachkräfte. Geografisch betrachtet haben wir schon Teilnehmer aus ganz Norddeutschland gehabt. Einer kam sogar aus Augsburg.

Aus welchen Branchen kommen die Teilnehmer?

Das Interesse an der Robotik ist in der Automobilindustrie am weitesten ausgeprägt, daher kommen viele Teilnehmer von Zulieferbetrieben für die großen Hersteller. Darüber hinaus ist aber grundsätzlich der gesamte Industriebereich vertreten.

Welche Tätigkeiten stehen besonders im Fokus, wenn es um den Einsatz von Industrierobotern geht?

Häufig geht es um das Palettieren, das Einlegen in Messgeräte, das Auftragen von Klebeapplikationen oder auch das Sortieren.

Warum sollten kleine und mittlere Unternehmen Roboter einsetzen?

Diese Technik ist auch für kleine und mittlere Betriebe rentabel, weil Roboter sehr flexibel einsetzbar sind. Insbesondere Leichtbauroboter lohnen sich auch bei kleinen Losgrößen und können schnell zu verschiedenen Anwendungen hinzugezogen werden.

Leichtbauroboter sind aufgrund dieser Flexibilität im Moment ein viel diskutiertes Thema in der Industrie. Andererseits können die Maschinen keine schweren Gewichte bewegen. Wie sehen Sie die Perspektiven?

Es wird künftig eine Vielzahl von neuen Anwendungsmöglichkeiten für Leichtbauroboter geben, weil sie die direkte Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine ermöglichen. Sie können zum Beispiel die Arbeiter in der industriellen Fertigung unterstützen, wenn körperlich strapazierende Tätigkeiten ausgeführt werden müssen, etwa die Befestigung von Schrauben über Kopfhöhe oder das Lackieren von Teilen in ungünstigen Positionen. Damit sind diese Anwendungen sowohl wirtschaftlich als auch gesundheitlich sinnvoll.

Wo sehen Sie das Thema Robotik in einigen Jahren?

Robotik verfügt über viel ungenutztes Potenzial. In einigen Jahren werden wir Roboter in Bereichen einsetzen, an die wir heute noch gar nicht denken. Um diesem Trend zu folgen, sind ganzheitliche Robotik-Kompetenzen in den Unternehmen notwendig. Deshalb haben wir das Schulungszentrum aufgebaut.