Mitarbeiter entlasten und Alleinstellungsmerkmale schaffen

BLG-Lager in Bremen

Anlieferung von Waren im Bremer BLG-Lager für Tchibo. Foto: BLG Logistics Group

Die BLG Logistics Group betreibt in Bremen einen der modernsten Logistikkomplexe Europas. Das Hochregallager, das am Neustädter Hafen exklusiv für Tchibo betrieben wird, bietet Platz für 200.000 Paletten. Viele Aufgaben werden dabei vollautomatisch erledigt, beispielsweise das Palettieren, aber auch die 42 Meter hohen Hochregalblöcke werden komplett maschinell angesteuert. Im Durchschnitt schlägt die BLG an diesem Standort pro Tag rund 8.000 Paletten um.

„Manuell wäre das nicht möglich“, erklärt Britta Philipsen, Managerin Operations Warehousing Bremen. Die Technik sei für den Erfolg des Unternehmens ein entscheidender Faktor, zumal es immer schwieriger werde, qualifiziertes Personal zu finden.

Obwohl der Grad der Automatisierung sehr hoch ist, handelt es sich nach strenger Definition nicht um Robotik. Philipsen erwartet jedoch, dass sich das in Zukunft ändern wird, und hat daher im Rahmen der Weiterbildungsinitiative Robotik zusammen mit mehreren Kollegen verschiedene Angebote wahrgenommen. Gleichzeitig hat sie – unter anderem im Rahmen einer Fallstudie – die Anforderungen an die Wissenschaft aus Sicht des Unternehmens artikuliert.

„Was kann ich den Kunden anbieten?“

Für die Beschäftigung mit der Robotik nennt sie drei zentrale Motive:

  • Die Entlastung der Mitarbeiter bei Tätigkeiten, die körperlich besonders anstrengend sind.
  • Betriebswirtschaftliche Vorteile durch beschleunigte Warenbearbeitung.
  • Schaffung von Alleinstellungsmerkmalen als Dienstleister.

„Die Logistik ist eine Branche, die bei Innovationen noch Nachholbedarf hat“, sagt Philipsen. Bereits seit ihrem Studium – Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Logistik und Innovationsmanagement – setzt sie sich intensiv mit Innovationsfragen auseinander. „Man muss schauen, was mit Robotik möglich ist. Was kann ich den Kunden anbieten? Kann ich das in Partnerschaft mit zufriedenen Mitarbeitern erreichen?“

Die Beschäftigten des Unternehmens spielen dabei eine zentrale Rolle. „Es funktioniert nur, wenn die Mitarbeiter die Technik auch annehmen“, betont Philipsen. Dazu müsse man sie von Anfang an einbinden – und sie müssten sehen, dass die Technik den Menschen unterstützt.

Paketroboter getestet

Die BLG Logistics Group, die eine Abteilung für Nachhaltigkeit und neue Technologien unterhält, arbeitet seit Jahren mit dem BIBA – Bremer Institut für Produktion und Logistik GmbH zusammen, insbesondere bei der Einführung von RFID-Lösungen. Auch ein dort entwickelter Paketroboter zur Entladung von Containern wurde bereits getestet. „Das hat ganz gut geklappt“, berichtet Philipsen. Allerdings habe der Roboter noch zu lange gebraucht, sich auf die unterschiedlichen Formen der Pakete einzustellen. „Wenn man motivierte Mitarbeiter hat, sind technisch bedingte Wartezeiten schwierig. Die fühlen sich dann ausgebremst.“

Vorstellbar ist jetzt der Test eines halbautomatischen Paketroboters. Er soll erledigen, was er gut kann, und den Rest übernimmt ein Mensch. Dafür ist es jedoch notwendig, die Sicherheit des Arbeiters zu gewährleisten. Umgekehrt muss der Mensch aber auch den Umgang mit dem Roboter erlernen. Philipsen sieht daher deutliches Potenzial für die Qualifizierungsangebote, die im Rahmen der Weiterbildungsinitiative Robotik entwickelt wurden. Der Bedarf an technischem Know-how wachse.

Mitarbeiter müssen neue Technologie mittragen

„Ich halte es für sehr gut, dass mit den Weiterbildungen verschiedene Hierarchie-Ebenen angesprochen werden, auch die Maschinenbediener selbst“, so Philipsen. „Die Entscheidung zum Einsatz der Technik kommt natürlich ‚von oben‘, aber die Kollegen auf der Fläche müssen sie mittragen.“ Darüber hinaus könnten die direkt betroffenen Mitarbeiter ihre Erfahrungen auf diese Weise noch besser einbringen. „Wenn ich denen durch eine Weiterbildung neue Impulse gebe und sie kommen mit neuen Ideen zurück, ist das für das Unternehmen sehr wertvoll.“

Philipsen sieht zurzeit eine Chance, die Logistik insgesamt innovationsfreundlicher zu gestalten. „Ich halte es für völlig falsch, einfach da zu bleiben, wo man heute ist. Das wird am Ende nicht ausreichen.“

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