„Reha-Robotik muss alltagstauglich werden“

Jörg Martens

Jörg Martens schilderte beim „i2b meet-up“ in Bremen die Anforderungen an die Robotik in der Reha-Technik. Foto: Christian-Arne de Groot

Die Orthopädie-Technik Martens GmbH in Bremen-Obervieland ist über die Handwerkskammer Bremen mit der Weiterbildungsinitiative Robotik in Kontakt gekommen. Geschäftsführer Jörg Martens erläutert im Interview, welche Chancen er für seine Branche in dem Thema sieht.

Sie haben an mehreren Veranstaltungen zum Thema Reha-Robotik teilgenommen – welche Erkenntnisse haben Sie daraus gezogen?

Die Ansätze aus der Wissenschaft sind für uns schon sehr interessant. Allerdings ist die Schnittstelle zum Anwender noch nicht attraktiv genug. Der Rollstuhl „Friend“, der am Institut für Automatisierungstechnik entwickelt wird, ist zum Beispiel noch zu speziell auf eine bestimmte Anwendung zugeschnitten. Wir brauchen ein System, das für die Allgemeinheit interessant ist. Der Roboterarm am Rollstuhl muss alltagstauglich sein und sich auf unterschiedliche Gegebenheiten und Orte anpassen können.

Haben Sie Ideen, wie eine größere Anwendungsnähe erreicht werden kann?

Wir haben als Ergebnis der Weiterbildungsinitiative Robotik jetzt Projekte angeschoben, sowohl mit dem Bremer Centrum für Mechatronik als auch mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. Die Projekte stecken allerdings noch in den Kinderschuhen.

Worum geht es inhaltlich?

Es gibt verschiedene Ansätze. Zum einen geht es um die Gruppe der Rollstuhlfahrer – wie kann man sie dabei unterstützen, ein größeres Maß an Autonomie zu erlangen? Im Alltag stehen sie immer wieder vor Situationen, in denen sie jemanden um Hilfe bitten müssen. Da könnte ein weiterentwickelter „Friend“ helfen. Beim DFKI geht es uns um die Entwicklung eines Therapiesystems. Wenn jemand aus der Reha nach Hause kommt, verfällt er oft wieder in die alten Verhaltensmuster. Robotik-Technologien können helfen, die Übungen effektiv weiterzuführen.

Das Thema Exoskelett nimmt in der Reha-Branche jetzt schon enorm an Fahrt auf. Dabei werden Körperteile von außen stabilisiert und teilweise auch bewegt. Wir sind schon am Anfang von einem Boom in diesem Sektor. Das gilt es zu nutzen.

Bis zur Markteinführung neuer Produkte werden noch einige Jahre vergehen. Lohnt sich das Engagement dennoch für Sie?

Zunächst einmal kostet es sehr viel Zeit und Geld. Aber ohne einen wirtschaftlichen Nutzen kann das Ganze nicht funktionieren. Für die Zukunft sehe ich großes Potenzial.

Welche Rolle kann ein mittelständisches Orthopädietechnik-Unternehmen wie Ihres dabei spielen?

Unsere Rolle kann sein, dass wir das System entwickeln und vertreiben. Das könnten wir allerdings nicht vollständig alleine leisten, darum würden wir mit Vertriebspartnern zusammenarbeiten.

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