Robotiklabor Bremerhaven: Die Zukunft gehört den mobilen Leichtbaurobotern

Andreas Nowacki

Andreas Nowacki

Andreas Nowacki, Geschäftsführer der Berufliche Bildung Bremerhaven GmbH, startete die Initiative zur Einrichtung eines Robotiklabors in der Seestadt. Im Interview erläutert er, wie sich das Projekt im ersten Jahr entwickelt hat und wie es weitergehen soll.

Auf welche Resonanz ist das Projekt gestoßen? Welchen Einfluss hatten die Rückmeldungen auf den weiteren Verlauf?

Im Laufe des Projekts haben wir festgestellt, dass die Nachfrage nach mobiler Robotik sehr groß ist. Zu diesem Thema haben wir mehrere Workshops mit Auszubildenden aus der Elektrotechnik durchgeführt. Wir haben daher auch zwei zusätzliche „Robotinos“ beschafft. Zusätzlich haben wir die Ausrichtung der nächsten Ausbaustufe geändert. Statt das Labor um den Bereich 3D-Druck zu erweitern, fokussieren wir uns jetzt auf Leichtbaurobotik. Das Equipment ist zum größten Teil schon da.

Wie soll die Nachhaltigkeit des Projekts gewährleistet werden?

Die Steuerungsgruppe Robotik in Bremerhaven ist sich einig, dass das Robotiklabor weiterhin in erster Linie für die Berufsschule genutzt werden wird. Darüber hinaus schauen wir aber gerade, ob wir auch gemeinsam mit der Hochschule ein Angebot starten können. Eventuell können Studierende bald einen Schein in Leichtbaurobotik erwerben. Dafür haben wir jetzt insgesamt vier mobile Leichtbauroboter, die auch in Reihe geschaltet werden können und sich dann untereinander Arbeit weitergeben.

Für welche realen Anwendungen ist diese Qualifizierung geeignet?

Zum Beispiel für den Logistikbereich. Zu Beginn des Projekts haben wir uns einen halbautomatisierten Containerterminal in Hamburg angesehen, wo die Transportboxen nur mit automatischen Vehikeln transportiert werden. Auch in den Lagern von Versandunternehmen werden immer mehr derartige Lösungen eingesetzt. Das kann man gut finden oder nicht, aber man wird es in Zukunft immer öfter sehen und für Logistikbetriebe ist es wichtig, sich darauf einzustellen.

Wie offen sind die Berufsschullehrer für diese neuen Technologien?

Auch dort muss Überzeugungsarbeit geleistet werden. Zunächst einmal müssen die Lehrer sich das Wissen selbst aneignen, um Robotik unterrichten zu können. Erschwerend kommt hinzu, dass Berufsschulen oft nur den Stoff vermitteln, der ihnen vorgegeben wird, weil es sonst zu Konflikten mit den Arbeitgebern der Berufsschüler kommen kann. Allerdings bin ich sicher: Wenn ein Unternehmen mitbekommt, dass seine Azubis in der Berufsschule den Umgang mit Robotern lernen, werden sie sich nicht darüber beklagen.

Welche sonstigen Erkenntnisse haben Sie im Rahmen des Projekts gesammelt?

Die Initiative hat gezeigt, dass Robotik bei vielen Menschen noch Ängste auslöst. Das betrifft nicht nur die Logistik, sondern zum Beispiel auch den Reha-Bereich. Ursprünglich wollten wir mit einer großen Gesundheitseinrichtung kooperieren, deren Leitung gegenüber dem Thema sehr aufgeschlossen war. Bei den Mitarbeitern war die Angst vor Automatisierung aber sehr groß. Das hat uns davon abgebracht, denn es hätte viel Zeit in Anspruch genommen, die Überzeugungsarbeit zu leisten.

Was sagen Sie zu den Bedenken, dass Robotik zu Lasten der Belegschaft geht?

Wir haben ein gutes Gegenbeispiel. Unter anderem haben wir eng mit einem Unternehmen aus der Windenergiebranche zusammengearbeitet, das die Robotik mit der Schweißtechnik verbinden will. Ältere Beschäftigte haben dort zunehmend Probleme, bei Wind und Wetter auf Objekte zu steigen, um die Arbeiten auszuführen. Unsere Lösung sah vor, dass der ältere Mitarbeiter in einem Container sitzt und einen Roboter an den Einsatzort steuert, um die Schweißarbeiten auszuführen. So könnten ältere Arbeitskräfte länger ihrer Tätigkeit nachgehen. Das entsprechende Projekt ist leider durch die Auftragsflaute in der Windenergie ins Stocken geraten. Wir sind aber schon gut vorangekommen.