„Zwischen Logistik und Technik klafft eine Lücke“

Frank Dederichs möchte, dass Logistikunternehmen einen besseren Zugang zu technischem Know-how bekommen.

Frank Dederichs möchte, dass Logistikunternehmen einen besseren Zugang zu technischem Know-how bekommen.

Der Qualifizierungsanbieter IQ Technikum mit Sitz in Bremen sieht erheblichen Nachholbedarf bei der technischen Qualifizierung  für Beschäftigte in der Logistikbranche. Geschäftsführer Frank Dederichs erläutert, welche Lösungen er anstrebt.

Warum war das Projekt „Robotik in der Logistik“ für Sie so interessant, dass die IQ Technikum GmbH sich als assoziierter Partner eingebracht hat?

Uns interessiert, wie man Technik in Unternehmen bringt. Wo sind die Hemmnisse und wie können die Arbeitsprozesse gestaltet werden? Als privater Bildungsträger sind wir aber auch daran interessiert, die Durchlässigkeit und die Chancen des Bildungssystems zu verbessern. Und wir spüren, dass an der Schnittstelle zwischen Logistik und Technik eine Lücke klafft. In der Logistik werden Themen wie IuK-Systeme und Automatisierung immer wichtiger, um beispielsweise Aufgaben in den Bereichen Distribution, Kommissionierung und Verpackung zu übernehmen. In den Unternehmen braucht man daher Menschen, die diese Themen durchdrungen haben.

Wie kann das unterstützt werden?

Ein Ansatz, den wir verfolgen, ist die Verbesserung der Qualifizierungsmöglichkeiten. Eine Fachkraft für Lagerlogistik kann bis jetzt nur eine kaufmännische Aufstiegsqualifizierung mit staatlichem Abschluss machen, aber keine technische. Um das zu ändern, müsste die Verordnung der Fachschulen für Technik angepasst werden. Dafür braucht es einen Beschluss der Kultusministerkonferenz. Das geht nur, wenn wir genug Statements von Unternehmen bekommen, die sich dafür aussprechen. Aber auch durch Forschungsprojekte, wie sie das BIBA und das ITB durchführen, werden wir in unserer Argumentation sattelfester.

Das wird eine Weile dauern. Welche Lösungen sehen Sie in der Zwischenzeit?

Wir werden das Know-how aus der Robotik auf jeden Fall in bestehende Angebote einfließen lassen, zum Beispiel in die Qualifizierungen zum Techniker in den Bereichen Maschinentechnik, Elektrotechnik und Mechatronik. Darüber hinaus haben wir die Möglichkeit, unternehmensspezifische Angebote schnell umzusetzen, beispielsweise ein Seminar für Entscheider. Sofern es dafür keine staatliche Prüfung gibt, gehen wir den Weg über firmenspezifische Seminare, weil wir das Thema für wichtig halten.

Warum können die Logistikunternehmen nicht einfach Techniker einstellen?

Zum einen kennen Techniker nicht die komplexen logistischen Prozesse und sie haben es daher schwer, sich in Entscheidungsprozesse für den Betrieb einzubringen. Zum anderen arbeiten die meisten Techniker in Unternehmen des produzierenden Gewerbes, in denen das Lohn-Niveau oft höher ist als in der Logistik. Der Anreiz zum Wechsel ist daher nicht sehr groß. Aus diesen Gründen ist es sehr wichtig, die Technik-Kompetenz auf der mittleren Führungsebene im eigenen Betrieb zu entwickeln.