VDMA: Positive Job-Effekte durch Wachstum der Robotik-Branche

In der deutschen Automobilindustrie hat die Zahl der Arbeitsplätze seit 2010 stärker zugenommen als die Zahl der Roboter.

In der deutschen Automobilindustrie hat die Zahl der Arbeitsplätze seit 2010 stärker zugenommen als die Zahl der Roboter. Quelle: VDMA

Roboter haben in den vergangenen Jahren nach Angaben des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) weltweit erheblich zum wirtschaftlichen Wachstum und Wohlstand beigetragen. „Der Einsatz von Robotik und Automation bietet bedeutende Chancen für eine stabile wirtschaftliche Entwicklung, wertige und ergonomische Arbeitsplätze sowie sichere und erschwingliche Produkte“, betont Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbands Robotik + Automation. „Sorgen vor einer Zukunft, in der Roboter Menschen die Arbeitsplätze wegnehmen, sind unbegründet. Mensch und Roboter sind eine unschlagbare Kombination.“

In Deutschland hat die Robotik- und Automationsbranche 2014 mit einer Umsatzsteigerung von 9 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro ein neues Rekordergebnis erzielt. Im laufenden Jahr wird mit einem Umsatzplus von 5 Prozent gerechnet.

In den ersten vier Monaten 2015 lag der Auftragseingang gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 11 Prozent höher. Nachfrage kam vor allem aus dem Ausland. Schon 2014 hatten die Exporte einen Anteil von 55 Prozent erreicht. Größter Absatzmarkt ist China. Dort wird zunehmend in Automatisierungstechnik investiert, um künftig in technologisch anspruchsvolle Märkte vordringen zu können.

Amerikaner holen industrielle Produktion zurück aus Asien

Der erhöhte Einsatz von Robotern und die Steigerung der Beschäftigtenzahlen stellen dabei keinen Gegensatz dar. Die Automobilindustrie weitete ihren Bestand an Industrierobotern in Deutschland von 2010 bis 2014 beispielsweise um 15 Prozent auf 92.000 Einheiten aus. Im selben Zeitraum erhöhte sie die Zahl der Beschäftigten um 10 Prozent auf 775.000.

„Die Automationsangst vor der Substitution des Menschen ist damit unbegründet“, so der VDMA. „Inzwischen ist in vielen Fällen auch die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine möglich. Die Roboter werden mithilfe von Sensorik so sicher gemacht, dass sie ohne Schutzzäune auskommen.“

Ein weiteres Beispiel für positive Beschäftigungseffekte sei Nordamerika: Das Land hole seine Industrien zurück, die es Jahre zuvor in Billiglohnländer ausgelagert hatte. „Die Amerikaner erkannten, dass eine starke industrielle Basis wichtig für konsistentes Wachstum ist“, erklärt der Verband. „Diese Re-Industrialisierung ist aber nur möglich, weil die Unternehmen durch Einsatz von Automation wettbewerbsfähig geworden sind.“

„Roboter-Studie der ING-DiBa ist unbrauchbar“

Mit ihrer Studie „Die Roboter kommen – Folgen der Automatisierung für den deutschen Arbeitsmarkt“ hat die Bank ING-Diba im April für viel Aufregung gesorgt. Der Studie zufolge werden durch die fortschreitende Automatisierung über kurz oder lang 59 Prozent der untersuchten Arbeitsplätze in Deutschland bedroht. Das wären 18 Millionen Arbeitsplätze.

„Die Chancen des Robotereinsatzes für neue Berufe und Beschäftigungsverhältnisse werden hingegen nicht quantifiziert“, bemängelt der VDMA. „Stattdessen führt die wirklichkeitsferne Technologieeinschätzung zu einer Verzerrung der Realität. Demnach würden künftig 1,9 Millionen Büro- und Sekretariatskräfte robotisiert, gerade einmal 250.000 Stellen blieben erhalten.“

Aus Sicht des Verbandes sei dies in keiner Weise belegbar, sagte Schwarzkopf. Das Bundesarbeitsministerium habe das Automatisierungspotenzial überprüft, aber nicht nach Berufen, sondern nach Tätigkeiten. „Heraus kam, dass nur etwa 12 Prozent aller Arbeitsplätze ein Profil mit hoher Automatisierungswahrscheinlichkeit haben“, so Schwarzkopf.

Britisch-schwedische Untersuchung erkennt Anstieg der Löhne

Die im Februar 2015 erschienene Studie „Robots at Work“ untersucht die Auswirkungen von zunehmender Automation auf die wirtschaftliche Entwicklung von 17 Ländern. Die Wissenschaftler Georg Graetz von der Universität Uppsala und Guy Michaels von der London School of Economics kommen darin zu einem ganz anderen Schluss als die ING-Diba. Im Schnitt gingen gut 10 Prozent der Steigerung des Bruttoinlandsprodukts und 15 Prozent der Produktivitätsgewinne auf den vermehrten Robotereinsatz zurück.

Dagegen stellten die Experten keinen Rückgang der Beschäftigung fest, wohl aber einen Anstieg der Löhne. „Das lässt den Schluss zu, dass der technische Fortschritt menschliche Arbeit aufgewertet hat“, erläutert Schwarzkopf.

Robotik weltweit auf dem Vormarsch

Mehr als 225.000 Roboter wurden 2014 nach einer Erhebung des Robotikverbands IFR weltweit neu installiert. Das entspricht einem Plus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Europa waren die Zuwächse mit 4 Prozent noch vergleichsweise moderat, in Nordamerika aber mit 8 Prozent schon beträchtlich. In Asien nahm die Installation von Robotern um 42 Prozent zu, getrieben vor allem durch China.

„China begnügt sich nicht damit, Roboter einzusetzen“, betont Hans-Dieter Baumtrog, Vorsitzender des Vorstands von VDMA Robotik + Automation. „Klare Strategie der chinesischen Regierung ist es, selbst ein starkes und innovatives Roboterland zu werden.“

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